Konzerttipp: LOWER DENS am 13.11. in der Kranhalle

12. Nov 2015

Lower Dens kommen aus Baltimore und verorten sich auch im queer-politischen Kontext. Lest Euch doch mal den sehr spannenden Artikel von Bandmitglied Jana Hunter in der Cosmopolitan durch:

What It’s Like to Be a Female Musician When You Don’t Identify as a Woman

Ihr aktuelles Album wurde in der Spex wie folgt rezensiert:

Huschen schüchtern auf die Tanzfläche: Lower Dens liefern auf Escape From Evil den, nennen wir es, L.A.-Moment.

»To Die In L.A.« scheint ein glücklicher Tod zu sein. Glücklich und traurig zugleich. Glücklich, traurig zu sein. Jana Hunters Band Lower Dens aus Baltimore trifft mit dem so betitelten Song und diesem Happy-sad-Gefühl einen ganz bestimmten Nerv, der irgendwo zwischen Wutbürgerverzweiflung (also nicht deren Verzweiflung, sondern der über sie) und neuem zivilgesellschaftlichem Engagement (also nicht deren Engagement, sondern dem eigenen) zu liegen scheint – was das Öffentliche betrifft. Und das Private: zwischen Gehenden und Kommenden. Erst mal die Leute aus dem Zug rauslassen, bitte! Aber vielleicht kann man das gar nicht mehr so trennen – falls das je möglich war. Das dritte Album der Lower Dens macht noch einen Schritt weiter auf die luzide Seite des guten New Wave der Achtziger und Neunziger: Das schwere Pathos der Indie-Supergroup This Mortal Coil, der Cocteau Twins, die Dunkelheit von Come / Live Skull, Unrest oder Opal mischt sich mit dem Federnden der bis heute aktiven Bettie Serveert, Mazzy Star, Cowboy Junkies oder Dean & Britta.

Da, wo Lucrecia Dalt und Liz Harris a.k.a. Grouper einfach keinen echten Indie-Hit liefern wollen, huschen Lower Dens vorsichtig und doch nicht schüchtern auf die Tanzfläche in Richtung ausgemergelte Warpaint oder Siouxsie & The Banshees. In der Gruppe der Altvorderen wäre wohl Sylvia Juncosa vergleichbar oder Lydia Lunch, die mit dem großen, leider verstorbenen Rowland S. Howard sehr wohl Hits für eine sensiblere Welt eingespielt hat. Lower Dens hatten bereits auf ihrem zweiten Album Nootropics aus dem Jahr 2012 einen Ohrwurm wie »Alphabet Song«, nun also das Sterben in der Stadt der Engel. Da kommt dieses Riff, diese Melodie, und Welten ändern sich (wie auch im Song »Société Anonyme«), und man oder frau möchte einfach nur sterben, glänzend untergehen, die Hände nach oben strecken und nie wieder normal sein.

»Time will turn the tide«, singt Jana Hunter im L.A.-Song. Immer wieder kommen Lower Dens zwischen vielen Referenzen und Ausflügen auf ein bestimmtes Momentum zurück, das wohl insbesondere für empfindsame Menschen verheißungsvoll abgründig wirkt; nennen wir es das L.A.-Moment. Eine Freundin von mir berichtete von einem Trip in diese Stadt, er endete in privaten Apokalypsen, die wohl den gespenstischen Mulholland Drive von David Lynch, dessen Bilder und Sounds, noch getoppt haben. »Klingt nach dampfigem Sonnenuntergang«, wird mir dazu gerade gemailt. Aus ihren düster-faszinierenden Erzählungen lassen Lower Dens dennoch etwas absolut Verlockendes strahlen. »All of my fears / Coming alive«, heißt es in »Your Heart Still Beating«. Rauslassen. Reinspringen. Auf geht’s.

Und NOCH ein spannender Podcast, ein Gespräch mit Perfume Genius, auf Soundcloud:

Lower Dens’ Jana Hunter and Perfume Genius Chat About Gender, Vaping, Touring

 

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